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Leonie Schulte
Was war dein Einstieg in den Sport?
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Leonie Schulte
Was ist das Besondere an deinem Sozialraum?
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Leonie Schulte
Wie bist du in deinem Sozialraum gelandet?
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Leonie Schulte
Was willst du mit deiner Arbeit im Sozialraum bewirken?
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Leonie Schulte
Was hast du durch SPORT VERNETZT gelernt?
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Alison Eriksen
Bereichsleitung Sport Beisheim Stiftung
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Igor Ryabinin
Projektleiter SPORT VERNETZT
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SPORT VERNETZT Kita: Über 100 Kinder mit viel Lust auf Bewegung in Kassel
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Etwas mehr als 100 der 600 Kinder, die die ACT Kassel in mittlerweile sieben Sozialräumen bewegt, trafen sich Anfang Juni zum Kitafestival in der task-Halle. Viele Unterstützer:innen der Initiative waren auch dabei.
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interview
„Ich würde alle Schulen zu bewegten Schulen machen.“
Prof. Dr. phil. Ansgar Thiel ist als Rektor der Deutschen Sporthochschule in Köln einer der wichtigsten Sportwissenschaftler des Landes. Wir trafen den 1963 in Laupheim (Baden-Württemberg) geborenen Schwaben Mitte November beim SPORT VERNETZT Wissenschaftssummit in Berlin. Im Anschluss daran verabredeten wir uns mit dem 62-Jährigen zu einem Interview über Bewegung und Sport.
Wir müssen Sportunterricht anders denken.
Audio-Schnipsel vom Interview
Ansgar Thiel, wie bewegt ist unsere Gesellschaft derzeit im Vergleich zu früher?
Der Unterschied im Vergleich zu vor 20, 30 Jahren ist die Entwicklung des Internets, der mobilen und sozialen Medien. Die größte Veränderung war, dass wir uns jetzt ganz mobil, nicht mehr nur stationär gekoppelt, auch die Welt des Internets erschließen können. Das hat zu einer dramatischen Veränderung von Kommunikations- und sozialen Interaktionsformen geführt, die uns vielleicht auf den ersten Blick gar nicht auffallen. Kommunikation insbesondere bei Heranwachsenden, findet mittels mobiler Medien jetzt zum großen Teil im Internet statt. Sie schicken sich Kurzvideos, spielen gemeinsam Videospiele, produzieren sich selbst auf TikTok oder Instagram und diskutieren darüber. Das Problem: sie sind dabei erstens an einen Bildschirm gefesselt und die Möglichkeit der Bewegung wird extrem eingeschränkt. Zweitens sehen sie bei der digitalen Kommunikation nur Ausschnitte des anderen, die Körpersprache ist extrem auf Mimik reduziert. Drittens individualisieren sie Kommunikation auf der zeitlichen Ebene: sie schauen die Nachrichten der anderen an, wenn es ihnen zeitlich passt, antworten, wenn es ihnen zeitlich passt, ein direktes Aufeinander-Reagieren findet hier deutlich seltener statt.
Das hat tiefgreifende Auswirkungen.
Die Folgen sind: Da Menschen biologisch und psychologisch auf Bewegung angewiesen sind, führt Bewegungsmangel in unterschiedlichsten Zusammenhängen zu Mangelerscheinungen. Und weil Menschen eigentlich darauf geeicht sind, im sozialen Miteinander einander zeitlich synchron Aufmerksamkeit zu schenken und ganzheitlich, also auch mit Körpersprache und in Präsenz, miteinander zu kommunizieren, nimmt die Fähigkeit ab, Emotionen anderer zuverlässig zu lesen und soziale Interaktion wird mental anstrengender und emotional weniger tragfähig.
Wie kann man dem Begegnen?
Solche evolutionären Schritte lassen sich nicht zurückdrehen. Wir müssen lernen damit umzugehen. Sport und Bewegung können hier aber als Kompensation dienen. D.h. aber, wir müssen viel mehr darauf schauen, wie wir „bewegte soziale Interaktionen“ in Präsenz schaffen. Noch mal: Wir sind biologisch darauf angewiesen, sonst werden wir krank. Wir können uns dann nicht mehr so entfalten wie gewohnt und kosten die Gesellschaft am Ende auch Geld. Die Kompensation der durch die Digitalisierung der Welt erzeugten biopsychosozialen Verluste durch den Sport hat also höchste gesellschaftliche Relevanz. Dadurch hat Sport eine ganz andere Wichtigkeit, ist nicht mehr nur Wettkampf und Zusammenkommen. Die früheren Sekundärfunktionen, wie Gesunderhaltung, soziale Integration oder psychisches Wohlbefinden werden plötzlich zu Primärfunktionen von sportlicher Aktivität.
Was muss aus deiner Sicht passieren, um die eindimensionale Sicht auf Sport zu verändern?
Wir müssen in die Schulen rein! Wir müssen Schulen als Plattformen sehen, in denen Bewegung einen wichtigeren Stellenwert erhält. Bisher läuft die Diskussion über Bewegung in Schulen meist nur über den Sportunterricht. Wir müssen den Sportunterricht und die Bewegung anders denken. Sportunterricht, als Ansatzpunkt Nummer eins, müssen wir als ein Bildungsfach sehen, bei dem das Verständnis von Sport und Bewegung in seinen (physiologischen, anatomischen, sozialen, psychologischen) Grundlagen vermittelt wird. Wir müssen auch den Heranwachsenden (auch den sportfernen) erstens vermitteln, wo sie Sport treiben können, z.B. in Schule und/oder im Verein. Wir müssen ihnen zweitens vermitteln, wie sie ihre Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Gedächtnisfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit verbessern können. Das muss auf unterschiedlichen Ebenen, für unterschiedliche Altersstufen heruntergebrochen werden. Wir müssen drittens den Ministerien und auch den Eltern klar machen, welches Potential im Sportunterricht steckt. Ansatzpunkt Nummer zwei ist Bewegungsförderung: Ich würde alle Schulen zu bewegten Schulen machen. Die Zeitstruktur des Schulunterrichts muss angesichts der typischen Formen von Wissensaneignung junger Menschen in einer digitalisierten Welt, so verändert werden, dass auf die Bedürfnisse der Einzelperson ausgerichtetes, effizientes und schnelleres Lernen möglich ist. Hier kann Bewegung in kurze Lernpausen und ins Nachmittagsprogramm integriert werden. Einerseits muss Bewegung also in Lernprozesse eingebaut werden, andererseits müssen außerhalb des Schulunterrichts in der Schule Bewegungsgelegenheiten geschaffen werden, bei denen die durch Digitalisierung erzeugten biologischen, psychischen und sozialen Bewegungsmangelfolgen kompensiert werden.
Wie bist du selbst eigentlich zum Sport gekommen?
Wir sind fünf Geschwister und meine Eltern haben zu uns allen gesagt, dass wir Sport machen müssen. Sie haben uns ins Turnen und zum Schwimmen geschickt. Wir waren schon im Kindergarten und später nach der Schule immer draußen, das fing schon damit an, dass wir hin und zurück laufen mussten. Ein Sportlehrer hat mich dann für Handball begeistert, was ich eine ganze Weile lang gespielt habe. Für mich waren Sport und Bewegung aber immer ein elementarer Bestandteil meines Lebens. Sport war für meine biopsychische Gesundheit wichtig, Musik fürs Soziale. Es gab in meinem Leben keinen Zeitraum, in dem ich nicht aktiv war.
Dann bist du sicher heute noch sportlich aktiv…
Ja. Ich stehe täglich morgens um 6 Uhr auf und mache ein 30-minütiges Workout, eine Mischung aus Joggen, Mobilisierungs- und Kräftigungsübungen. Dazu fahre ich mit dem Fahrrad täglich rund zehn Kilometer zur Arbeit und wieder zurück. Dagegen war der einzige „wettkampfmäßige“ Sport, den ich bis vor ein paar Jahren noch gemacht habe, Boule. Das war zwar im Freizeitbereich, aber wurde immer kompetitiver, je besser wir wurden.
Du hattest vorhin schon gesagt, dass mehr an den Schulen passieren muss. Das sehen wir bei SPORT VERNETZT ja ganz genauso. Gibt es etwas, was dir bei diesem Ansatz fehlt?
Erst einmal finde ich den Ansatz extrem relevant. Ich denke allerdings, andere haben das auch schon gesagt, man muss aufpassen, dass der Sport, die sportliche Betreuung, nicht deprofessionalisiert wird. Man braucht für eine gute sportliche Betreuung auch eine pädagogisch-didaktische Expertise. Es ist nicht vorausgesetzt, dass die jeder Übungsleiter in der Form hat, wie man sie für die Schule braucht. Wenn du Leute bilden willst, brauchst du Professionalität. Dies gilt besonders für die Vermittlung von biologischem, psychologischem, sozialem und physikalischem Wissen über den Sport. Die systematische Verbindung zu Universitäten, wie sie ja bei SPORT VERNETZT schon angelegt ist, ist wichtig. Wichtig ist auch, dann gemeinsam aus einem Mund zu sprechen. Wir brauchen niederschwellige Sportangebote. Wir brauchen Vernetzung innerhalb der Sozialmilieus, aber wir brauchen auch die Unis, die das dann begleiten und Erfahrungen systematisch aufbereiten und weiterentwickeln.
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