interview

„Ich möchte, dass die Kinder, die an dieser Schule sind, alle einen sportlichen Platz finden, an dem sie sich wohlfühlen und gerne bewegen.“

Daniela Dockendorff leitet seit 2011 die Grundschule Hasenfänger im rheinland-pfälzischen Andernach im Landkreis Mayen-Koblenz. Ihre Schule ist eine von elf im Projekt SPORT VERNETZT Ganztagsgrundschule, das in Zusammenarbeit mit der Leuphana Universität Lüneburg und unterstützt von der Robert Bosch Stiftung seit 2024 läuft. Wir haben uns mit ihr über Bewegung, Spiel und Sport an ihrer Schule unterhalten. 

Daniela Dockendorff über die Entwicklung der Eishockey-AG

Wie bewegt ist die Grundschule Hasenfänger in Andernach aus Sicht der Schulleiterin?

Das kommt drauf an, wie man Bewegung definiert. Einmal hat man die Bewegung durch den Sport, da sind wir, glaube ich, sehr bewegt, weil wir viele unterschiedliche Angebote aus vielen Bereichen vormittags und nachmittags haben: Sporttage, wir wandern mit der ganzen Schule… Aber, ich glaube, wir sind auch als Team und in unserer Arbeit bewegt. Wir entwickeln uns permanent weiter, versuchen uns Impulse von außen zu holen, schauen uns andere Schulen an, die Kollegen bringen Ideen ein und wir probieren unheimlich viel aus. Wir sind ein Team, das nicht stillsteht, ständig in der Entwicklung ist. Dadurch sind wir stets gefordert, aber das gibt uns die Möglichkeit, viel zu entdecken und für unsere Kinder das Beste rauszuholen. 

Warum habt ihr Sport und Bewegung als einen Schwerpunkt für euch definiert?

Wir haben irgendwann in Personalgesprächen angefangen herauszufinden, was unsere Kollegen gerne privat tun. Wir haben festgestellt, dass jeder irgendwas mitbringt in seinem Rucksack, das uns bereichert. Da war auch viel Sport mit dabei. Diesen Sport haben wir dann mit in unseren Schulalltag gepackt. Aus den Menschen an der Schule heraus wurde es immer bewegter und sportlicher. Die Menschen sind in Vereinen aktiv, was wir uns einfach zugunsten der Kinder zu Nutze gemacht haben. Wer kann denn besser etwas vermitteln, als der es selbst liebt?!

Was hast du persönlich eigentlich mit Sport und Bewegung zu tun?

Total wenig eigentlich. Ich bin als Kind nicht sportlich gewesen. Ich musste in den Sportverein, bin geschwommen und geturnt, aber gefallen hat mir das überhaupt nicht. Mir ist es wichtig, Kindern auch die Angst vor dem Sport zu nehmen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man nicht so gut ist. Ich möchte, dass die Kinder, die an dieser Schule sind, alle einen sportlichen Platz finden, an dem sie sich wohlfühlen und gerne bewegen. Sport muss nicht auf Leistung ausgerichtet sein, sondern auf Spaß an der Bewegung und die Gemeinschaft. Natürlich muss es auch Leistungsträger geben, die gefördert werden sollen, klar, das versuchen wir auch. Aber es muss auch für die große breite Masse etwas da sein: Anfänger, die Kinder, die motorische Schwierigkeiten haben oder die, die ein bisschen übergewichtig sind. Auch sie sollen mit Freude und ohne Angst in die Angebote gehen, durch die Kollegen und Übungsleiter motiviert werden, kleine Fortschritte zu machen. Jeder soll sich ständig weiterentwickeln können!

Wie könnte oder sollte die Schule sich als Institution insgesamt in puncto Sport und Bewegung verändern?

Derzeit ist es so, dass viel Wert darauf gelegt wird, das Defizit in Bezug auf die Bewegung durch den Sportunterricht auszugleichen. Wenn wir aber in Richtung Bewegungsband gehen, wie es bei SPORT VERNETZT großgeschrieben wird, und das Bewegung viel mehr noch in den täglichen Unterricht einplant, dann hat der Sport/der Sportunterricht auch ganz andere Möglichkeiten. Derzeit hat er die nicht, weil wir da versuchen, Kindern beispielsweise Treppen steigen beizubringen, weil die gar nicht mehr im Wechselschritt die Treppe laufen können. Das sind Grundlagen, die einfach nicht mehr da sind. Wenn wir es schaffen, die Bewegung in den Schulalltag einzubauen und z.B. das Eckenrechnen im Mathe-Unterricht in einer bewegteren Art abläuft, dann hat der Sportunterricht die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Dahin sind wir als Schule auf dem Weg, aber da sind wir noch nicht.

Was sind denn eure Beispiele, mit denen ihr auf dem Weg seid?

Wir machen erst einmal jedes Jahr eine gesamte Sportwoche, in der wir außerschulische Orte, wie den Tennisplatz, das Freibad und das Jugendzentrum aufsuchen, um den Kindern Möglichkeiten zu zeigen, wo sie sich auch außerhalb der Schule bewegen und Sport machen können. Dann haben wir aber auch Handball- und andere Aktionstage. Ansonsten ist der Sport bei uns, vor allem am Nachmittag, immer präsent. Da gibt’s angeleitete Angebote oder auch freies Spielen. Im Nachmittag ist der Sport bei uns da, im Vormittag ist es noch etwas wenig…

Ihr habt ein besonderes sportliches Projekt dabei, das auch zu den gerade laufenden Olympischen Winterspielen passt, nämlich Eishockeytraining. Wie ist das entstanden?

Unsere Partner-Realschule hatte bereits eine Kooperation mit dem nächstgelegenen Eishockeyverein, dem EHC Neuwied, der haben wir uns angeschlossen. Es ist ein sehr aufwendiges, aber auch ein besonderes Projekt. (Mehr dazu im Audioschnipsel ganz oben...)

Was habt ihr aus dem Projekt SPORT VERNETZT Ganztagsgrundschule bisher mitgenommen?

Wir haben auf jeden Fall viel überprüft und all das, was wir tun, noch mal hinterfragt. Im Zuge von SPORT VERNETZT haben wir auch unser Partizipationsmodell mit den Kindern gestartet, um festzustellen und an die Uni rückmelden zu können, ob ihnen all das, was wir tun, gefällt und was ihnen fehlt. Dafür hat sich die Projekt-Teilnahme schon gelohnt. Viele Angebote hatten wir zuvor auch schon. Sich auch von anderen Schulen noch mal Impulse holen zu können, ist toll: Aus Mülheim haben die Kollegen zum Beispiel die Krafttankstellen mitgebracht. Der Austausch im Projekt hat uns sehr gefallen.

Was ist dein größter Wunsch in Bezug auf Sport und Bewegung an eurer Grundschule?

Ich hätte gerne viel mehr qualifizierte Übungsleiter, die nachmittags da sind. Wenn ich mehr Übungsleiter hätte, bräuchte ich natürlich auch mehr Sportstätten. Dann hätten noch viel mehr unserer Kinder die Möglichkeit, sich in der AG-Zeit von 13 bis 16 Uhr weiterzuentwickeln. Damit wir uns nicht nur irgendwie bewegen, sondern ganz zielgerichtet.

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